Samstag, 1. Februar 2014

5 down, 5 to go

Es ist Halbzeit, ich bin seit genau 5 Monaten hier. 152 Tage, 22 Wochen. Ich lebe ein neues Leben und verhalte mich wie ein anderer Mensch. Es gibt Momente, in denen ich vergesse, dass ich noch ein anderes Leben habe. Deutschland fühlt sich einfach so weit weg an, als haette ich nie dort gelebt. Wenn ich an meinen Altag in Deutschland denke fühlt es sich fremd an. Auch wenn es komisch klingt, verblassen die Erinnerungen von meiner Wohnung. Wo sind die Teller in der Küche? wo sind die Handtücher?
Es fühlt sich an als wäre mein Leben in Deutschland  nur ein Traum gewesen. Alle Momente nur Einbildung. Dass ich Deutsch spreche blende ich während eines Schultages komplett aus und auch wie man manche Deutsche Wörter ausspricht weiß ich einfach nicht mehr. (Ich sag nur Pizza, @Janine & Lisa:-D)
Ich wurde letztens gefragt wie man meinen Nachnamen ausspricht und während ich es gesagt habe, musste ich einfach anfangen zu lachen, da ich es amerikanisch ausgesprochen habe.. Niemals hätte ich gedacht, dass man solche einfachen Dinge in so kurzer Zeit vergessen kann.
Es fühlt sich an, als hätte ich Deutschland und alles was dazu gehört in eine Schublade gesteckt. Und diese öffnet sich nur, wenn ich es ihr sage. Das einzige was nicht in dieser Schublade ist, sind die Menschen die mir wichtig sind. So groß kann eine Schublade nicht sein, dass da Menschen reinpassen würden.
Bevor ich geflogen bin wurde mir gesagt, dass man im Auslandsjahr herausfindet, wer seine wahren Freunde sind. Auch wenn ich nicht daran geglaubt habe, muss ich nun sagen, dass es stimmt. Ich weiß wer meine wahren Freunde sind & ich glaube dass ich zu denen gehöre, die sagen kann, dass sich nichts verändert hat:-) ♥
Außerdem habe ich in den letzten 5 Monaten vorallem gelernt, wie man anders mit seinen Mitmenschen umgehen kann. Alle behandeln sich hier sehr respektvoll. Hilfsbereitschaft und Höflichkeit werden sehr sehr groß geschrieben. Wenn jemand Hunger hat und kein Essen dabei hat wird geteilt. Wenn jemandem etwas herunter fällt wird es einfach von irgendjemandem aufgehoben. Und das allerbeste, Mobbing gibt es nicht. Jeder kann so sein wie er wirklich ist ohne dafür beurteilt zu werden. Behandelt man einen Menschen nicht "appropriate" gibt es mit Sicherheit mindestens 3 Leute die einem die Meinung sagen. Die "looser" sind nicht die die gemobbt werden, die "looser" sind diejenigen, die versuchen zu mobben. Heimlich ein Foto von jemandem zu machen wird als sehr respektlos angesehen und wer dieses dann auch noch veröffentlicht hat erstmal eine ganze Menge an Leuten gegen sich.

Auch wenn meine Zeit hier wie eine Achterbahnfahrt ist werden die guten Momente immer mehr und die schlechten immer weniger. Ich hatte zwar kein einziges Mal Heimweh, jedoch muss ich zugeben, dass es Momente gab, in denen ich einfach aufgeben wollte um Schule und Gastfamilie zu wechseln. In einem Haus mit einer Lateinamerikanischen Familie mit Texas Erziehungsstil und Eltern die in der Army waren zu leben ist halt doch nicht immer einfach..
Doch ich liebe meine Gastfamilie einfach und ich bin ihnen so unendlich dankbar, dass sie mir die Möglichkeit geben hier leben zu dürfen.
Was mich auch daran denken ließ aufzugeben ist einfach die Sehensucht. Besonders in Momenten in denen einfach alles mal S****** ist. Die Sehensucht nach einer Bekannten Umgebung, seiner Familie & seinen Freunden.. Bei Menschen zu sein die einen kennen und wissen wie sie dich aufmuntern können.

Zuletzt ist da noch die Angst. Die Angst dass nichts mehr so ist wie es mal war. Dass man Nachhause kommt und sich alle/ alles verändert hat. Oder auch dass ich mich verändert habe. Dass ich wieder von 0 anfangen muss. Neuer Freundeskreis, neuer Alltag. Es ist richtig richtig hart von den Menschen getrennt zu sein, die man liebt. Ehrlich gesagt ist dass einzige, dass mich in schlechten Momenten hier gehalten hat, die Vorstellung von dem Moment, wenn ich am Münchner Flughafen durch diese Glastüren laufe und alle wieder sehe.

Ich vermisse euch..♥




Kommentare:

  1. Hallo Lisa, Du hast was ganz großes gelernt. Du kannst über Gefühle reden. :-D
    Mach Dir über zuhause nicht zu viel Gedanken. Was ich bisher mitbekommen habe ist, dass sich alle auf dich freuen und wir Dich alle auch vermissen. Aber die Zeit verfliegt und Du wirst sehen, soviel hat sich nicht verändert. Außer der Baustelle hinterm Haus. Und wo die Teller in der Küche stehen wirst auch schnell wieder merken. Du wirst zwar eine neue Schule kennenlernen, aber deine Freunde sind nach wie vor da und die Family auch.
    Wir lieben dich und ich am meisten.
    Deine Mama ♥♡

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  2. Hallo ich bin die Mama eines Austauschschülers der jetzt gerade genauso lange in den USA ist wie Du. Ich habe Deinen Beitrag gerade sehr berührt und mit sehr viel Respekt gelesen. Ihr könnt wirklich stolz auf euch sein!!! Ich wünsche Dir weiterhin viele schöne Momente und unvergessliche Stunden.

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  3. Liebe Lisa, Du machst gerade eine große Erfahrung durch, auf die Du sehr stolz sein kannst, um die Dich andere beneiden. Aber viele hätten sich dieses neue Leben gar nicht getraut. Du kannst sicher sein, dass alle, die Dich lieb haben, Dich in Deutschland auch sehr vermissen. Wir auch!!! Und wenn Du in München durch diese Glastüren kommst, wird die Erinnerung wieder da sein und Deine Familie und Freunde auch. Sicher wird sich auch etwas verändern in Deinem Leben, aber Du nimmst das an und meisterst das. Du hast gelernt, weit weg von zu Hause, Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, dann wird das in Deutschland um so leichter sein. Du hast schon so viel gelernt, erkennst vieles und vor allem, Du sprichst offen darüber - das ist toll. Nur, wenn man Gefühle auch zeigt, kann der andere damit umgehen. Man kann über alles reden und das ist sehr wichtig. Über das Thema Hilfsbereitschaft bin ich sehr glücklich, damit kommt man bei den Leuten immer an. Deine wahren Freunde erkennst Du immer in Ausnahmesituationen, das ist tatsächlich so. Um so mehr, kannst Du Dich aber dann auf die verlassen, die übrig bleiben, manchmal ein ganzes Leben lang. Keine Angst, Du wirst Dich in Deutschland ganz schnell wieder zurecht finden, aber erst freue Dich mal über die noch verbleibende Zeit in Texas. Es wird sicher leichter für Dich, je länger Du da bist. Grüß Deine Gastfamilie von uns. Dir ganz liebe Grüße, lass Dich dolle knuddeln - wir haben Dich sehr lieb. Dein Opi Reiner und Deine Omi Elke

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